KI hilft dir, deine Website barrierefreier zu machen, vor allem bei der Fleißarbeit: Ein KI-Werkzeug schlägt Alternativtexte für Bilder vor, erstellt Untertitel und Abschriften für Videos, übersetzt schwierige Texte in einfache Sprache und findet Stellen, an denen deine Seite für Menschen mit Einschränkungen schwer zu bedienen ist. Was sie nicht kann: deine Website auf Knopfdruck barrierefrei machen. Aufbau, Kontraste und Bedienbarkeit musst du in der Website selbst richtig anlegen.
Als Inhaber hast du davon gleich zwei Vorteile. Eine barrierefreie Website kann von mehr Menschen benutzt werden, zum Beispiel von älteren Kunden mit schlechteren Augen oder von jemandem, der auf der Baustelle mit Handschuhen auf dem Handy tippt. Und vieles, was die Seite zugänglicher macht, hilft auch bei Google, weil Suchmaschinen Inhalte ähnlich lesen wie ein Vorleseprogramm.
Ob du gesetzlich zur Barrierefreiheit verpflichtet bist, hängt von deinem Angebot und der Größe deines Betriebs ab. Dazu weiter unten mehr.
Was bedeutet Barrierefreiheit bei einer Website?
Eine barrierefreie Website lässt sich von allen Menschen nutzen, auch von Menschen, die schlecht sehen, nicht hören, keine Maus bedienen können oder Texte schwer verstehen. Konkret heißt das: Bilder haben eine Beschreibung, die ein Vorleseprogramm vorlesen kann. Videos haben Untertitel. Die Seite lässt sich komplett mit der Tastatur bedienen. Schrift und Hintergrund haben genug Kontrast. Formulare sagen klar, was in welches Feld gehört.
Der internationale Maßstab dafür sind die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte des W3C, kurz WCAG. Die aktuelle Fassung WCAG 2.2 ist eine offizielle W3C-Empfehlung und beschreibt prüfbare Kriterien, an denen sich auch Gesetze und Normen in Europa orientieren.
Musst du deine Website barrierefrei machen?
In Deutschland gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, kurz BFSG. Seine Anforderungen gelten seit dem 28. Juni 2025. Laut Gesetzestext des BFSG betrifft es bestimmte Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher. Bei den Dienstleistungen gehört der elektronische Geschäftsverkehr dazu. Gemeint sind Angebote über Websites oder Apps, bei denen ein Verbraucher elektronisch einen Vertrag abschließen kann, etwa ein Online-Shop oder eine Online-Buchung mit Vertragsschluss.
Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind von diesen Anforderungen ausgenommen. Als Kleinstunternehmen gilt laut BFSG ein Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 2 Millionen Euro.
Eine Website, die nur informiert und ein Kontaktformular hat, fällt in der Regel nicht darunter, weil über sie kein Vertrag geschlossen wird. Verbindlich klären kann das im Einzelfall nur ein Anwalt. Wenn du Termine mit Vertragsschluss online buchen lässt oder Produkte verkaufst, lass von einem Anwalt prüfen, ob du betroffen bist. Und auch ohne Pflicht gilt: Jeder Kunde, der deine Seite nicht bedienen kann, ruft im Zweifel beim Mitbewerber an.
Wo hilft dir KI bei der Barrierefreiheit?
Alternativtexte für Bilder
Jedes Bild braucht eine kurze Beschreibung im Alt-Text. Ein Vorleseprogramm liest sie vor, und Google nutzt sie, um zu verstehen, was auf dem Bild ist. In der Google-Anleitung zur Bildersuche steht, dass der Alt-Text das wichtigste Attribut für zusätzliche Informationen zu einem Bild ist und zugleich die Barrierefreiheit verbessert. Eine KI kann dir für viele Bilder auf einmal Vorschläge machen. Prüfe jeden Vorschlag: Die KI sieht ein Dach, aber sie weiß nicht, dass es dein Auftrag in deinem Ort war.
Untertitel und Abschriften für Videos
Videos ohne Untertitel sind für gehörlose Menschen wertlos und für alle, die im Bus ohne Ton schauen, ebenso. Spracherkennung erstellt heute aus deinem Video in kurzer Zeit eine Abschrift, aus der Untertitel werden. Fachbegriffe und Ortsnamen musst du nachkorrigieren, aber die Hauptarbeit ist erledigt.
Einfache Sprache
Viele Leistungstexte sind voller Fachbegriffe. Eine KI kann dir eine zweite, einfache Fassung vorschlagen: kurze Sätze, bekannte Wörter, ein Gedanke pro Satz. Das hilft Menschen mit Leseschwierigkeiten, Menschen, die Deutsch erst lernen, und allen, die es eilig haben.
Fehler finden
Prüfprogramme durchsuchen deine Website nach fehlenden Alt-Texten, schwachen Kontrasten, Formularfeldern ohne Beschriftung und falsch aufgebauten Überschriften. Ein KI-Assistent erklärt dir die Befunde in normaler Sprache und schlägt vor, was du ändern sollst. Die eigentliche Korrektur machst du oder dein Webdesigner in der Website.
Wo stößt KI an ihre Grenzen?
Es gibt Werkzeuge, die versprechen, eine Website mit einem eingebauten Zusatzfenster barrierefrei zu machen. Sei da vorsichtig. Ein Fenster, das über der Seite liegt, ändert nichts am Aufbau darunter. Fehlende Beschriftungen, eine Navigation, die nur mit der Maus funktioniert, oder Bilder ohne Beschreibung bleiben, wie sie sind.
Auch bei den KI-Vorschlägen selbst gilt: Jeder Vorschlag ist ein Entwurf. Eine Bildbeschreibung, die falsch ist, schadet mehr als eine fehlende. Ein Untertitel mit vertauschten Ortsnamen wirkt nachlässig. Plane deshalb immer einen Durchgang ein, in dem ein Mensch prüft.
Wie gehst du Schritt für Schritt vor?
Schritt 1: Selbsttest mit der Tastatur
Leg die Maus weg und versuch, auf deiner Website mit der Tabulatortaste eine Anfrage abzuschicken. Siehst du immer, wo du gerade bist? Kommst du an jedes Feld und jeden Knopf? Wo du hängen bleibst, haben auch andere ein Problem.
Schritt 2: Bilder und Videos nachbessern
Lass dir für alle Bilder ohne Alt-Text Vorschläge erstellen, prüfe sie und trag sie ein. Für Videos erstellst du Untertitel. Fang mit den Seiten an, die am meisten besucht werden.
Schritt 3: Kontraste und Schrift prüfen
Helle graue Schrift auf weißem Grund sieht elegant aus und ist für viele schlecht lesbar. Ein Prüfprogramm zeigt dir, wo der Kontrast nicht reicht. Prüf auch, ob deine Seite lesbar bleibt, wenn jemand die Schrift im Browser vergrößert.
Schritt 4: Formulare verständlich machen
Jedes Feld braucht eine sichtbare Beschriftung, nicht nur einen grauen Platzhalter im Feld. Fehlermeldungen sollten sagen, was falsch ist und wie es richtig geht. Das hilft allen Besuchern und bringt dir vollständigere Anfragen.
Schritt 5: Regelmäßig nachprüfen
Mit jeder neuen Seite und jedem neuen Bild kann sich wieder ein Fehler einschleichen. Leg fest, dass Alt-Text und Überschriften Teil jeder Veröffentlichung sind, und lass die Website ab und zu erneut prüfen.
Häufige Fragen zu KI und barrierefreien Websites
Kann KI meine Website automatisch barrierefrei machen?
Nein. KI erleichtert viele Aufgaben wie Bildbeschreibungen, Untertitel und das Finden von Fehlern. Aufbau, Bedienbarkeit und Kontraste müssen in der Website selbst stimmen.
Hilft Barrierefreiheit auch bei Google?
Teilweise. Alt-Texte, sinnvolle Überschriften und klare Linktexte helfen Vorleseprogrammen und Suchmaschinen gleichermaßen. Ein besseres Ranking folgt daraus nicht automatisch, es kommt auf den ganzen Inhalt an.
Gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für meinen Betrieb?
Das hängt davon ab, ob du Verbrauchern über deine Website Verträge anbietest und wie groß dein Betrieb ist. Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sind ausgenommen. Im Zweifel klärt das ein Anwalt.
Womit fange ich an, wenn ich wenig Zeit habe?
Mit dem Tastaturtest und den Alt-Texten auf deinen wichtigsten Seiten. Beides geht schnell, und du siehst sofort, wo es hakt.
Fazit: KI nimmt dir die Fleißarbeit ab
Eine barrierefreie Website erreicht mehr Menschen und ist für alle angenehmer zu bedienen. KI hilft dir bei Alt-Texten, Untertiteln, einfacher Sprache und dem Finden von Fehlern. Die Grundlagen wie Aufbau, Kontraste und Bedienbarkeit legst du in der Website selbst an. Ob du gesetzlich verpflichtet bist, hängt von deinem Angebot und deiner Betriebsgröße ab.
Du willst wissen, wo deine Website heute Besucher ausbremst und was sich mit wenig Aufwand verbessern lässt? Dann schauen wir uns das gemeinsam an.
